Hypothetische Planeten

von © Paul Schlyter (pausch@saaf.se)

(Version vom 16.12.1995)

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Homepage: http://193.12.249.96/pausch (englisch/schwedisch, wird täglich aktualisiert)

Übersetzung und Upload mit Genehmigung des Autors: © Robert von Heeren im Oktober 1998


Es gab eine Reihe von Objekten, von denen Astronomen glaubten, daß sie existieren.

Später "verschwanden" sie wieder.

 

Hier sind die Hintergründe:

  • Vulkan, der Planet innerhalb der Merkurbahn
  • Neith, der Mond der Venus
  • Nemesis, der Begleitstern der Sonne

Vulkan, der Planet innerhalb der Merkurbahn, 1860-1916, 1971

Der französische Mathematiker Urbain Le Verrier (zusammen mit J. C. Adams sagte er die Position Neptuns vorher) gab in einem Vortrag am 2. Januar 1860 bekannt, daß die beobachteten und bislang unerklärlichen Störungen in der Bewegung Merkurs durch die Annahme eines inner-merkurischen Planeten oder vielleicht sogar einem zweiten inner-merkurischen Asteroidengürtel erklärt werden könnten. Die einzige Möglichkeit einen innerhalb der Merkurbahn laufenden Planeten oder inner -merkurischen Asteroidengürtel zu beobachten war während einer totalen Sonnenfinsternis oder wenn dieser vor der Sonne vorbeiwanderte. Prof. Wolf vom Züricher Sonnenflecken-Datenzentrum fand eine Reihe verdächtiger "Punkte" auf der Sonne. Ein anderer Astronom fand noch ein paar mehr. Zwei dutzend Punkte schienen zu zwei inner-merkurischen Umlaufbahnen zu passen, eine mit einer Periode von 26 Tagen und die andere mit 38 Tagen.

Im Jahre 1859 erhielt Le Verrier einen Brief von einem Amateurastronom namens Lescarbault, der berichtete, am 26. März 1859 einen runden schwarzen Fleck auf der Sonne gesehen zu haben, der wie ein an der Sonne vorbeilaufender Planet aussah. Er hatte den Fleck 75 Minuten lang gesehen, als er sich über ein Viertel des Sonnendurchmessers weiterbewegte. Lescarbault schätzte die Inklination (Bahnneigung) zwischen 5,3 und 7,3 Grad, die Länge des (aufsteigenden) Knotens auf ungefähr 183 Grad, die Exzentrizität als "enorm", und die Transitgeschwindigkeit im Vordergrund der Sonnenscheibe auf 4 Stunden und 30 Minuten ein. Le Verrier überprüfte diese Beobachtung und berechnete daraus eine Umlaufbahn. Demnach sollte die Periode 19 Tage und 7 Stunden, die mittlere Entfernung zur Sonne 0,1427 Astronomische Einheiten (1 AE = 146,9 Mio. km = mittlerer Abstand Erde - Sonne), die Inklination auf 12°10', den aufsteigenden Knoten (= räumlicher Schnittpunkt zwischen der Planeten- und der Erdumlaufbahn) auf 12°59' betragen. Der Durchmesser war beträchtlich kleiner als der des Merkur und seine Masse wurde auf 1/17 der Merkur-Masse geschätzt. Dies war als Erklärung für die Bahnstörung des Merkur zu klein. Aber vielleicht handelte es sich hier nur um das größte Mitglied eines intra-merkurischen Asteroidengürtels? Le Verrier verliebte sich in diesen Planeten und nannte ihn Vulkan (englisch "Vulcan").

Im Jahre 1860 gab es eine totale Sonnenfinsternis. Le Verrier mobilisierte alle französischen und noch ein paar andere Anstronomen, um diesen Vulkan zu finden. Aber niemand fand ihn. Jetzt weckten Wolfs eigenartige 'Sonnenflecken' wieder Le Verriers Interesse. Kurz vor Le Verriers Tod im Jahre 1877 fanden noch einige weitere "Beweise" ihren Weg in die Literatur. Am 4. April 1875 sah der deutsche Astronom H. Weber einen runden Fleck auf der Sonne. Le Verriers fiktive Umlaufbahn deutete auf einen möglichen Vorübergang des Planeten am 3. April dieses Jahres hin und Wolf stellte fest, daß sein 38-Tage-Orbit auch einen Vorübergang zu dieser Zeit verursacht haben könnte. Dieser 'runde Fleck' wurde auch in Greenwich und Madrid fotografiert.

Nach der totalen Sonnenfinsternis vom 29. Juli 1878 gab es nocheinmal einige Aufregung: zwei Beobachter behaupteten, in der unmittelbaren Umgebung der Sonne kleine leuchtende Scheiben gesehen zu haben, bei denen es sich nur um kleine Planeten innerhalb der Merkurbahn gehandelt haben kann. J.C Watson (Professor der Astronomie an der Universität von Michigan) glaubte ZWEI intra-merkurielle Planeten gefunden zu haben! Lewis Swift (Co-Entdecker des Kometen Swift-Tuttle, welcher im Jahre 1992 wiederkehrte), hatte ebenfalls einen 'Stern' gesehen, den er für Vulkan hielt. Allerdings fand er ihn an keiner der beiden Stellen, an denen Watson seine beiden 'intra-Merkure' beobachtet hatte. Außerdem konnten weder Watsons noch Swifts Vulkan-Planeten mit Le Verriers oder Lescarbaults Vulkan in Übereinstimmung gebracht werden. Hier ein Beispiel eines fiktiven Planeten Vulkan, den Weston im Jahre 1920 propagierte.

Nach diesen Ereignissen hatte niemand mehr den oder die Vulkan(e) nocheinmal gesehen, und dies trotz mehrerer Suchaktionen bei verschiedenen totalen Sonnenfinsternissen. Und im Jahre 1916 veröffentlichte Albert Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie, welche die Störungen der Merkurbewegung erklärte, ohne dafür einen unbekannten intra-Merkur-Planeten zu benötigen. Im Mai 1929 fotografierte Erwin Freundlich aus Potsdam die totale Sonnenfinsternis von Sumatra aus und untersuchte später die Fotografien sehr sorgfältig. Sie zeigten eine Überfülle an Sternen. Sechs Monate später fotografierte er zum Vergleich die selbe Himmelsregion nocheinmal. In der Nähe der Sonne konnte kein Objekt, das heller als die 9. Helligkeitsklasse war, entdeckt werden.

Aber was hatten die Leute wirklich gesehen? Lescarbault hatte keinen Grund ein Märchen zu erfinden und sogar Le Verrier glaubte ihm. Es ist möglich, daß Lescarbault zufällig einen kleinen Asteroiden gesehen hatte, der sogar innerhalb der Erdbahn ganz nah an der Erde vorbeiflog. Derartige Asteroiden waren zur damaligen Zeit noch unbekannt, weshalb Lescarbault nur darauf kommen konnte, daß er einen Planeten innerhalb der Merkurbahn gesehen hatte. Swift und Watson könnten in der Hektik, noch während der totalen Abdunkelung der Sonne Beobachtungen zu machen, ihre Punkte mit Sternen verwechselt haben, so daß sie glaubten, Vulkan gesehen zu haben.

"Vulkan" wurde in den Jahren um 1970-1971 für kurze Zeit wiederbelebt, als ein paar Forscher dachten, daß sie während einer totalen Sonnenfinsternis mehrere lichtschwache Objekte in Nähe der Sonne aufgespürt hatten. Bei diesen Objekten hatte es sich vielleicht um kaum sichtbare Kometen gehandelt, denn später wurden Kometen beobachtet, die der Sonne vergleichbar nahe kamen und mit ihr sogar kollidierten.


Der Mond des Merkur, 1974

Zwei Tage vor dem Vorbeiflug der Raumsonde Mariner 10 am Merkur am 29. März 1974 registrierte ein Instrument starke Emissionen im extremen Ultraviolett, die "eigentlich gar nicht da sein durften". Am nächsten Tag waren die Emissionen wieder verschwunden. Drei Tage später waren sie wieder da und das "Objekt" schien sich vom Merkur abzuheben. Die Astronomen dachten zuerst, daß sie einen Stern gesehen hatten. Aber sie hatten es in zwei recht verschiedenen Richtungen gesehen und jeder Astronom weiß, daß sich diese extremen UV-Wellenlängen nicht besonders weit im interstellaren Raum ausbreiten können, was nahelegte, daß dieses Objekt sehr nahe sein mußte. Hatte Merkur also einen Mond?

Nach einem hektischen Freitag, als man die Geschwindigkeit des "Objektes" auf 4 km/s (eine zu einem Mond passende Geschwindigkeit) berechnet hatte, rief man die Manager vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) herbei. Sie übergaben die damals kurz vor dem Betriebsende stehende Raumsonde ganz dem UV-Team und alle machten sich langsam Sorgen über eine Pressekonferenz, die für etwas später an diesem Samstag angesetzt war. Sollte der vermutete Mond bekannt gegeben werden? Aber die Presse hatte bereits davon erfahren. Manche Zeitungen -- vor allem die größeren, seriöseren -- behandelten das Thema nüchtern; viele anderen schrieben aber begeisterte Geschichten über Merkurs neuen Mond.

Und der "Mond" selbst? Er wurde schließlich als der heiße Stern 31 Crateris identifiziert. Woher die ursprünglichen Emissionen stammten, die man beim Vorbeiflug der Raumsonde gemessen hatte, bleibt nach wie vor ein Rätsel. So endete die Geschichte vom Mond des Merkur. Gleichzeitig begann aber ein neues Kapitel der Astronomie: es stellte sich heraus, daß das extreme UV nicht völlig im interstellaren Raum absorbiert wird, wie man früher glaubte. Zum Beispiel erwies sich der Gum-Nebel als ein recht starker Emitter im extremen UV. Sein UV breitet sich über 140 Grad des Nachthimmels bei 540 Ångström aus. Die Astronomen hatten ein neues Fenster entdeckt, durch welches sie in neuer Weise den Himmel erforschen konnten.


Neith, der Mond der Venus, 1672-1892

 

1672 bemerkte Giovanni Domenico Cassini, der damals zu den prominenten Astronomen zählte, einen kleinen Begleiter der Venus. Hatte Venus einen Satelliten? Cassini entschied sich dazu, seine Beobachtung vorerst nicht publik zu machen. 14 Jahre später (1686) sah er aber wieder das Objekt, weshalb er es dann auch in sein Notizbuch eintrug. Das Objekt wurde auf ein Viertel (!) des Durchmessers der Venus geschätzt. Es wies auch die selbe Phase wie die Venus auf. Später wurde das Objekt auch von anderen Astronomen wie James Short im Jahre 1740, Andreas Mayer im Jahre 1759 und J. L. Lagrange im Jahre 1761 gesehen (Lagrange gab an, daß die Bahnebene des Satelliten senkrecht zur Ekliptik stand). Im Jahre 1761 wurde das Objekt insgesamt 18 Mal von fünf Beobachtern gesehen. Besonders interessant waren die Beobachtungen von Scheuten vom 6. Juni 1761: er sah, wie sich die Venus vor der Sonnenscheibe vorbeischob. Begleitet wurde sie auf einer Seite von einem kleineren dunklen Punkt, der der Venus bei ihrem Transit folgte. Samuel Dunn in Chelsea, England, beobachtete ebenfalls den Venustransit über die Sonne, sah aber diesen zusätzlichen Punkt nicht. Im Jahre 1764 gab es acht Sichtungen von zwei Beobachtern. Andere Beobachter versuchten den Satelliten zu sehen, konnten ihn aber nicht finden.

Die astronomische Gemeinschaft steckte jetzt in einem Zwiespalt: mehrere Beobachter hatten berichtet, den Satelliten gesehen zu haben, während viele andere ihn trotz gezielter Bemühungen nicht finden konnten. 1766 veröffentlichte Vater Hell ("Hölle"!), der Direktor des Wiener Observatoriums, eine Abhandlung, in der er erklärte, daß es sich bei allen Beobachtungen des Satelliten um optische Täuschungen gehandelt hatte: das Abbild der Venus ist derart hell, daß es vom Auge zurück in das Teleskop reflektiert wird und dort ein zweites kleineres Abbild erzeugt. Andere veröffentlichten Abhandlungen, in denen sie erklärten, daß die Beobachtungen real waren. J. H. Lambert aus Deutschland veröffentlichte im Berliner Astronomischen Jahrbuch im Jahre 1777 oskulierende Bahnelemente des Satelliten: mittlere Entfernung 66,5 Venus-Radien, Umlaufzeit 11 Tage und 3 Stunden, Bahnneigung (Inklination) zur Ekliptik 64 Grad. Man hoffte, daß der Satellit während des Vorübergangs der Venus vor der Sonne am 1. Juni 1777 gesehen würde. (Es ist übrigens klar, daß Lambert bei der Berechnung dieser Bahnelemente ein Fehler unterlaufen war: bei 66,5 Venus-Radien wäre die Entfernung zur Venus ungefähr gleich der des Mondes zur Erde. Das paßt sehr schlecht zur Umlaufszeit von 11 Tagen bzw. etwas mehr als einem Drittel der Umlaufszeit unseres Mondes. Die Masse der Venus ist etwas geringer als die der Erde).

1768 gab es wieder eine Beobachtung des Satelliten von Christian Horrebow in Kopenhagen. Es kam auch zu drei Suchaktionen, eine davon wurde von einem der größten Astronomen aller Zeiten namens William Herschel durchgeführt. Alle drei Versuche den Satelliten zu finden scheiterten. F. Schorr aus Deutschland versuchte dann recht spät, sich in einem 1875 veröffentlichten Buch für den Satelliten einzusetzen.

Im Jahre 1884 schlug M. Hozeau, ehemaliger Direktor des königlichen Observatoriums von Brüssel, eine andere Hypothese vor. Nachdem er die zur Verfügung stehenden Beobachtungen analysiert hatte, kam Hozeau zu dem Schluß, daß der Mond der Venus sich ungefähr alle 2,96 Jahre bzw. 1080 Tage der Venus annäherte. Hozeau schlug vor, daß es sich nicht um einen Venusmond handelte, sondern um einen eigenständigen Planeten, der die Sonne alle 283 Tage umrundete und deshalb alle 1080 Tage mit der Venus in Konjunktion stand. Hozeau war es dann auch, der diesen Planeten nach Neith benannte, der mysteriösen Göttin von Sais, deren Schleier kein Sterblicher lüften konnte.

Im Jahre 1887 veröffentlichte die belgische Akademie der Wissenschaften drei Jahre nachdem der Mythos vom "Mond der Venus" durch Hozeau wiederbelebt wurde, einen langen Bericht, indem jede dokumentierte Beobachtung detailliert untersucht wurde. Bei mehreren Beobachtungen hatte es sich in Wirklichkeit um Sterne gehandelt. Roedkiers Beobachtungen konnten besonders gut "entlarvt" werden: er wurde erfolgreich von den Sternen Chi Orionis, M Tauri, 71 Orionis und Nu Geminorum getäuscht! James Short hatte tatsächlich einen Stern gesehen, der etwas lichtschwacher als die 8. Helligkeitsklasse war. Sämtliche Beobachtungen von Le Verrier und Montaigne konnten auf ähnliche Weise erklärt werden. Lamberts Bahnberechnungen wurden auseinandergenommen. Die letzte übrig gebliebene Sichtung von Horrebow aus dem Jahre 1768 konnte Theta Librae zugeschrieben werden.

Nachdem dieser Bericht verbreitet worden war, wurde nur noch eine neue Beobachtung bekannt. Sie wurde von einem Mann am 13. August 1892 gemacht, der früher schon einmal vergeblich versucht hatte, den Satelliten der Venus zu finden: E. E. Barnard. Er berichtete von einem Objekt der 7. Helligkeitsklasse in Nähe der Venus. An dieser von Barnard verzeichneten Stelle ist kein Stern registriert und Barnards Sehkraft war bekannterweise exzellent. Wir wissen bis heute nicht, was er gesehen hatte. Handelte es sich um einen noch unbekannten Asteroiden? Oder steckte hinter der Sichtung eine kurzlebige Nova, die zufälligerweise sonst von niemandem gesehen wurde?


Der zweite Mond der Erde, 1846-heute

Im Jahre 1846 verkündete Frederic Petit, Direktor des Toulouser Observatoriums, daß er einen zweiten Mond der Erde entdeckt hat. Er wurde von den zwei Toulouser Beobachtern Lebon und Dassier und einem dritten namens Lariviere aus Artenac während der frühen Abendstunden des 21. März 1846 entdeckt. Petit befand, daß die Umlaufbahn elliptisch war und eine Periode von 2 Stunden 44 Minuten 59 Sekunden hatte. Das Apogäum (Erdferne) sollte sich seiner Aussage zu Folge 3570 km über der Erdoberfläche und das Perigäum (Erdnähe) in nur 11,4 km (!) Höhe befinden. Le Verrier, der sich im Publikum befand, gab zu bedenken, daß man den Luftwiderstand in Betracht ziehen müßte, wozu aber damals niemand in der Lage war. Petit war immer mehr besessen von dieser Idee eines zweiten Mondes der Erde. 15 Jahre später gab er bekannt, daß er einige Berechnungen bezüglich eines kleinen Mondes der Erde vorgenommen habe, welche die damals noch unerklärlichen Störungen der Bewegung unseres Hauptmondes erklären. Die Astronomen ignorierten dies im allgemeinen und man hätte die Idee wohl vergessen, wenn nicht ein junger französischer Schriftsteller mit Namen Jules Verne nicht einen Aufsatz darüber geschrieben hätte. In Vernes Roman "Von der Erde zum Mond" läßt Verne kleine Objekte an der Raumkapsel eines Reisenden vorbeifliegen, was dazu führt, daß die Kapsel in eine Bahn um den Mond herum abgelenkt wird, anstatt auf ihm abzustürzen:

"Es ist ", sagte Barbicane, "ein einfacher aber enorm großer Meteorit, der durch die Anziehungskraft der Erde als Satellit festgehalten wird."

"Ist das möglich?", exklamierte Michel Ardan, "die Erde hat zwei Monde?"

"Ja, mein Freund, sie hat zwei Monde, obwohl man für gewöhnlich glaubt, daß sie nur einen hat. Dieser zweite Mond aber ist zu klein und seine Geschwindigkeit ist derart groß, daß die Bewohner der Erde ihn nicht sehen können. Dem französischen Astronomen Monsieur Petit ist zu verdanken, daß er die Störungen in der Mondbahn bemerkte und in der Lage war, daraus auf die Existenz dieses zweiten Mondes zu schließen und dessen Umlaufzeit zu errechnen. Seinen Berechnungen zufolge dauert ein vollständiger Umlauf um die Erde drei Stunden und zwanzig Minuten. . . . "

"Glauben alle Astronomen an die Existenz dieses Satelliten?", fragte Nicholl

"Nein", erwiderte Barbicane, "aber wenn sie ihn wie wir getroffen hätten, würden sie nicht länger daran zweifeln. . . . Aber dies eröffnet uns einen Weg, um unsere Position im Weltraum zu bestimmen. . . seine Entfernung ist bekannt und wir waren demzufolge 7480 km über der Erdoberfläche, als wir ihn trafen."

Jules Verne wurde von millionen von Menschen gelesen. Aber erst im Jahre 1942 bemerkte jemand die Ungereimtheiten in Vernes Text:

  1. Ein Satellite mit 7480 km Höhe über der Erdoberfläche hätte eine Umlaufzeit von 4 Stunden 48 Minuten gehabt, nicht 3 Stunden 20 Minuten.
  2. Da man ihn von demjenigen fenster aus gesehen hatte, von dem der normale Mond unsichtbar gewesen war, während sich beide Monde aufeinander zubewegten, mußte der kleine Mond rückläufig gewesen sein, was allerdings recht bemerkenswert und erwähnenswert gewesen wäre. Verne erwähnte dies nicht.
  3. In jedem Falle wäre der Satellit vom großen Mond verdeckt und daher unsichtbar gewesen. Das Projektil verließ erst recht viel später den Erdschatten.

 

Dr. R.S. Richardson vom Mount Wilson Observatory versuchte 1952, sich einen Reim auf die Zahlen zu machen und erreichte dies durch die Annahme eines exzentrischen Orbits für diesen Mond: Perigäum (Erdnähe) 5010 km und Apogäum (Erdferne) 7480 km über der Erdoberfläche, Exzentrizität 0,1784.

Nichtsdestotrotz machte Jules Verne Petits zweiten Mond auf der ganzen Welt bekannt. Amateurastronomen wechselten zu der Erkenntnis, daß es hier eine gute Gelegenheit für Ruhm gab: jeder, der diesen zweiten Mond entdecken würde, hätte sicher sein können, daß sein Name in die Annalen der Wissenschaft eingeht. Kein großes Observatorium überprüfte jemals dieses Problem des zweiten Mondes der Erde. Falls man es doch tat, behielt man es jedenfalls für sich. Deutsche Amateure jagten etwas nach, daß sie Kleinchen nannten; natürlich fand nie jemand Kleinchen.

W. H. Pickering widmete seine Aufmerksamkeit der Theorie dieses Themas: wenn der Satellit in 320 km Höhe kreisen würde und sein Durchmesser 0,3 Meter betrüge, er außerdem die gleiche Reflexionseigenschaften wie der Mond hätte, dann sollte man ihn in einem 3-Zoll Teleskop sehen können. Ein 3 Meter großer Satellit wäre ein Objekt der Helligkeitsklasse 5 und somit für das bloße Auge sichtbar. Obwohl Pickering nicht nach dem Objekt von Petit Ausschau hielt, führte er dennoch eine Suche nach einem sekundären Mond -- einem Satelliten unseres Mondes durch ("On a photographic search for a satellite of the Moon", [Auf der photografischen Suche nach einem Satelliten des Mondes], Popular Astronomy, 1903). Das Ergebnis war negativ und Pickering kam zu dem Schluß, daß ein Satellit unseres Mondes kleiner als ungefähr drei Meter sein muß.

Pickerings Artikel über die Möglichkeit eines winzigen zweiten Mondes der Erde, "A Meteoritic Satellite" (Ein meteoritischer Satellit), erschien 1922 in Popular Astronomy und verursachte unter Amateurastronomen erneut etwas Aufsehen, da er klare Anforderungen enthielt: "Ein 3-5-Zoll Teleskop mit einem schwachen Okular wäre das beste Gerät, um ihn zu finden. Es ist eine Gelegenheit für den Amateur." Aber wieder waren alle Suchaktionen fruchtlos.

Die ursprüngliche Idee war, daß das Gravitationsfeld des zweiten Mondes für die unerklärlichen kleinen Störungen der Bahn unseres großen Mondes verantwortlich sein sollte. Das hätte bedeutet, daß das fragliche Objekt mindestens mehrere Kilometer groß sein müßte. Wenn aber ein solch großer zweiter Mond wirklich existiert hätte, dann hätten ihn sicher schon die Babylonier entdeckt. Selbst wenn er zu klein wäre, um sich als Scheibe am Himmel zu zeigen, hätte ihn seine relative Nähe sehr schnell und daher für Beobachter offensichtlich gemacht, was die heutigen Beobachter von künstlichen Satelliten und sogar Flugzeugen sicher unterstreichen. Auf der anderen Seite war niemand sonderlich an "Möndchen" interessiert, die viel zu klein sind, als daß man sie sehen könnte.

Es gab auch noch andere Vorschläge für zusätzliche natürliche Satelliten der Erde. 1898 behauptete Dr. Georg Waltemath aus Hamburg, daß er nicht nur einen zweiten Mond, sondern sogar ein ganzes System von winzigen Monden entdeckt habe. Waltemath gab Bahnelemente für einen dieser Monde an: Entfernung zur Erde: 1,03 Millionen km, Durchmesser 700 km, Umlaufzeit 119 Tage, synodische Periode 177 Tage. "Manchmal", sagte Waltemath, "scheint er bei Nacht so hell wie die Sonne" und er dachte, daß dieser Mond in Grönland am 24. Oktober 1881 von Lieut Greely zehn Tage nach dem Untergang der Sonne zu Winteranbruch gesehen worden war. Das Interesse der Öffentlichkeit wurde erregt, als Waltemath vorhersagte, daß sein zweiter Mond am 2., 3. oder 4. Februar 1898 vor der Sonne vorbeiziehen werde. Am 4. Februar beobachteten 12 Personen beim Postamt in Greifswald (Herr Postdirektor Ziegel, Mitglieder seiner Familie und Postangestellte) die Sonne mit bloßem Auge, ohne Blendschutz. Man kann sich leicht eine recht groteske Szenerie vorstellen: ein imposant anzusehender preußischer Beamter zeigt durch sein Bürofenster gen Himmel, während er Waltemaths Ankündigung seinen ihm respektvoll Untergebenen vorliest. Als man sie interviewte, sprachen diese Zeugen von einem dunklen Objekt, das ein Fünftel des scheinbaren Sonnendurchmessers bedeckt und für den Vorübergang an der Sonnenscheibe die (Berliner) Zeit von 1:10 bis 2:10 benötigt haben soll. Es stellte sich bald als Irrtum heraus, denn genau zu dieser Stunde wurde die Sonne von zwei erfahrenen Astronomen genau unter die Lupe genommen: es waren W. Winkler in Jena und Baron Ivo von Benko aus Pola, Österreich. Beide hatten berichtet, daß nur ein paar recht normale Sonnenflecken auf der Scheibe zu sehen waren. Dieser Irrtum und spätere Vorhersagen entmutigten Waltemath keineswegs. Er fuhr fort, weiterhin Vorhersagen zu verbreiten und nach Bestätigungen zu bitten. Astronomen der damaligen Zeit waren recht irritiert und mußten immer und immer wieder Fragen aus der Bevölkerung beantworten, wie zum Beispiel "Oh, übrigens, was ist eigentlich mit all diesen neuen Monden?". Aber Astrologen nahmen sich der Sache an: im Jahre 1918 taufte der Astrologe Sepharial diesen Mond auf den Namen Lilith. Er erachtete den Mond als schwarz genug, so daß er die meiste Zeit unsichtbar war. Er sollte seiner Meinung nach nur kurz vor der Opposition (bei "Vollmond") oder wenn er sich im Transit über die Sonnenscheibe befand, zu sehen sein. Sepharial konstruierte für Lilith eine Ephemeride, die auf einigen von Waltemaths angeblichen Beobachtungen basierte. Er ordnete Lilith ungefähr die gleiche Masse wie die des Mondes zu, wobei er sich offensichtlich nicht bewußt darüber war, daß ein derartiger Satellit seine Existenz durch die Störung der Erdbewegung verraten hätte, selbst wenn er unsichtbar gewesen wäre. Und sogar heute noch verwenden manche Astrologen "den schwarzen Mond" Lilith in ihren Horoskopen.

Ab und zu wurde von Beobachtern von anderen "zusätzlichen Monden" berichtet. Das deutsche astronomische Magazin "Die Sterne" berichtete, daß ein deutscher Amateurastronom namens W. Spill einen zweiten Mond beobachtet hatte, wie er am 24. Mai 1926 die Scheibe unseres ersten Mondes überquerte.

Um 1950 herum, als man damit anfing ernsthaft über künstliche Satelliten zu sprechen, dachte jeder von ihnen, daß es sich nur um ausgebrannte Endstufen von mehrstufigen Raketen handeln würde, die keine Radiotransmitter trugen, aber vom Radar auf der Erde verfolgt werden würden. In derartigen Fällen wäre ein Haufen von kleinen nahegelegenen natürlichen Satelliten äußerst nervig gewesen, denn sie würden die Radarstrahlen reflektieren, die für künstlichen Satelliten gedacht wären. Diese Methode zur Aufspürung solcher natürlichen Satelliten wurde von Clyde Tombaugh entwickelt: man berechnet die Geschwindigkeit eines Satelliten in z. B. 5000 km Höhe. Dann konstruiert man eine Kameraplattform, die den Himmel mit exakt dieser Rate abtastet. Sterne, Planeten etc. werden dann auf den von dieser Kamera aufgenommenen Fotografien als Linien erscheinen, während hingegen jeder Satellit in exakt dieser Höhe als Punkt erscheinen wird. Falls sich der Satellit in einer etwas anderen Höhe befindet, wird er eine kurze Linie hinterlassen.

Die Beobachtungen begannen im Jahre 1953 am Lowell Observatorium und damit betrat man eigentlich Neuland: mit Ausnahme der Deutschen mit ihrer Suche nach "Kleinchen", hatte nie jemand dem Raum zwischen Mond und Erde Aufmerksamkeit geschenkt! Im Herbst 1954 schrieben allseits geachtete Wochenjournale und Tageszeitungen, daß die Suche zu ersten Resultaten geführt hat: in 700 km Höhe hatte man den einen kleinen natürlichen Satelliten gefunden, in 1000 km Höhe den anderen. Im allgemeinen fragte man sich: "Ist es sicher, daß sie natürlichen Ursprungs sind?". Anscheinend konnte niemand sagen, woher diese Berichte stammten, die Suchaktionen waren nämlich völlig ergebnislos. Statt dessen spürten die Kameras die ersten künstlichen Satelliten auf, nachdem man sie in den Jahren 1957 und 1958 in die Umlaufbahn geschoßen hatte.

Merkwürdigerweise muß das aber nicht bedeuten, daß die Erde definitv nur einen natürlichen Satelliten hat. Tatsächlich kann die Erde für kurze Zeit einen sehr nahen Satelliten haben. Meteoriten, die die Erde passieren und kurz in die obere Atmosphäre eintauchen, können gerade so viel Geschwindigkeit verlieren, daß sie in eine Satellitenumlaufbahn um die Erde einschwenken. Da sie aber bei jedem Perigäumdurchgang in die obere Atmosphärenschicht eintreten, werden sie sich nicht lange auf dieser Bahn halten; vielleicht nur zwei, möglicherweise sogar 100 Umläufe (ungefähr 150 Stunden). Es gibt einige Hinweise, daß derartige "kurzlebige Satelliten" gesehen wurden. Es könnte sogar sein, daß Petits Beobachter einen dieser Art gesehen hat.

Außer den kurzlebigen Satelliten gibt es noch zwei Möglichkeiten. Eine davon ist, daß der Mond einen eigenen Satelliten hat, wobei man aber trotz mehrerer Suchaktionen bisher keinen derartigen Satelliten fand (außerdem weiß man mittlerweile, daß das Gravitationsfeld des Mondes "pummelig" genug ist, um jede lunare Satellitenumlaufbahn instabil zu machen. Deshalb würde jeder Satellit nach relativ kurzer Zeit, einigen Jahren oder vielleicht sogar erst Jahrzehnten in den Mond stürzen). Die zweite Möglichkeit ist die der trojanischen Satelliten. Das sind sekundäre Satelliten, die auf der Bahn des Mondes 60° vor oder hinter ihm laufen.

Von solchen "Trojaner-Satelliten" berichtete zuerst der polnische Astronom Kordylewski vom Krakauer Observatorium. Er hatte mit seiner Suche im Jahre 1951 - offensichtlich mit einem guten Teleskop - begonnen. Er hoffte auf einigermaßen große Himmelskörper im Orbit des Mondes und im 60° Abstand zu ihm. Die Suche verlief negativ. 1956 schlug aber sein Gehilfe und Kollege Wilkowski vor, daß es viele winzige Objekte geben könnte, die zu klein sind, als daß man sie einzeln beobachten könnte. Aber vielleicht gibt es so viele, daß sie als Wolke von Staubpartikeln erscheinen. In einem solchen Fall wären sie am besten ohne Teleskop, nämlich mit dem bloßen Auge zu sehen! Ein Teleskop würde sie "wegvergrößern". Dr. Kordylewski war zu einem Versuch bereit. Man benötigte eine dunkle Nacht mit klarem Himmel und ohne Mond.

Im Oktober 1956 sah Kordylewski zum ersten Mal an einer von zwei Positionen einen schwach sichtbaren Fleck. Er war nicht klein, erstreckte sich über einen Winkel von 2 Grad (ungefähr vier Mal größer als der Mond) und war sehr dunkel, nur ungefähr halb so hell, wie der berüchtige, schwer zu findende Gegenschein (ein heller Abglanz des zodiakalen Lichts, welches sich in direkter Opposition zur Sonne befindet). Im März und April 1961 konnte Kordylewski zwei Wolken in Nähe der erwarteten Position fotografieren. Sie schienen unterschiedlich groß zu sein, was aber auch an den unterschiedlichen Beleuchtungsverhältnissen liegen kann. J. Roach spürte diese Wolken im Jahre 1975 mit der OSO (Orbiting Solar Observatory) 6-Raumsonde auf. 1990 wurden sie wieder fotografiert, diesesmal vom polnischen Astronom Winiarski, der herausfand, daß sie einen scheinbaren Durchmesser von einigen Grad hatten, bis zu zehn Grad vom "trojanischen" Punkt "wegwanderten" und etwas rötlicher als das zodiakale Licht waren.

So scheint also die jahrhundertelange Suche nach einem zweiten Mond der Erde doch noch von Erfolg gekrönt zu sein. Allerdings entpuppte sich dieser 'zweite Mond' als etwas völlig anderes, als je jemand erwartet hatte. Sie sind nur sehr schwer vom zodiakalen Licht, besonders vom Gegenschein, zu unterscheiden.

Aber es gibt noch immer Leute, die weitere natürliche Satelliten der Erde vorschlagen. Zwischen 1966 und 1969 behauptete der amerikanische Wissenschaftler John Bargby, mindestens zehn kleine natürliche Satelliten der Erde gesichtet zu haben, die nur mit einem Teleskop zu sehen sind. Bargby stellte bei allen Objekten elliptische Umlaufbahnen fest: Exzentrizität 0,498, große Halbachse 14.065 km, welche auf Perigäum- und Apogäum-Höhen von 680 und 14700 km schließen ließen. Bargby war der Meinung, daß es sich bei ihnen um Bruchstücke eines größeren Objektes handelte, welches im Dezember 1955 zerbrochen sein sollte. Die Basis für die meisten seiner Satelliten waren vermutete Ablenkungen der Bahnen von künstlichen Satelliten. Bargby verwendete Daten über künstliche Satelliten vom 'Goddard Satellite Situation Report', ohne zu wissen, daß die Werte dieser Publikation nur geschätzt und manchmal stark fehlerbehaftet waren, weshalb man sie niemals für jegliche präzise wissenschaftliche Analyse hätte verwenden dürfen. Außerdem kann aus Bargbys Beobachtungen abgeleitet werden, daß Bargbys Satelliten im Perigäum eigentlich bei Helligkeitsklasse 1 für das bloße Auge sichtbar sein müßten. Aber niemand hat sie bis jetzt gesehen.


Die Monde des Mars, 1610, 1643, 1727, 1747, 1750, 1877-heute

Johannes Kepler war der Erste, der im Jahre 1610 annahm, daß Mars Monde hat. Als er Galileos Zeichnung bezüglich der Saturnringe studierte, war Kepler der Meinung, daß Galileo statt dessen Marsmonde entdeckt hatte.

1643 behauptete der Kapuzinermönch Anton Maria Shyrl, daß er tatsächlich Marsmonde gesehen hatte. Wir wissen natürlich, daß dies mit den damaligen Teleskopen unmöglich gewesen war. Wahrscheinlich wurde Shyrl von einem marsnahen Stern getäuscht.

1727 schrieb Jonathan Swift in "Gullivers Reisen" von zwei kleinen Monden, die den Mars umkreisen und den Lilliputaner-Astronomen bekannt waren. Ihre Umlaufperioden betrugen 10 und 21,5 Stunden. Diese 'Monde' adaptierte 1750 Voltaire in seinem Roman "Micromegas", der Geschichte von einem Riesen vom Sirius, der unser Sonnensystem besucht.

1747 behauptete der deutsche Kapitän Kindermann, daß er den Mond des Mars (nur einen!) am 10. Juli 1744 gesehen habe. Kindermann berichtete von einer Umlaufzeit dieses Marsmondes von 59 Stunden 50 Minuten und 6 Sekunden (!)

1877 entdeckte Asaph Hall schließlich Phobos und Deimos, die zwei kleinen Monde des Mars. Ihre Umlaufperioden betragen 7 Stunden 39 Minuten, sowie 30 Stunden und 18 Minuten, sehr ähnlich denjenigen Perioden, die Jonathan Swift 150 Jahre früher geschätzt hatte!


Der 14. Mond des Jupiter, 1975-1980

1975 fotografierte Charles Kowal in Palomar (Entdecker des (Riesen-) Kometen 95 P/Chiron) ein Objekt, das man für einen neuen Satelliten des Jupiter hielt. Es wurde mehrere Male gesehen, leider aber nicht oft genug, um eine Umlaufbahn errechnen zu können. Man verlor es deshalb. Man las darüber für gewöhnlich in Fußnoten von Texten der späten 70er.


Die neunten und zehnten Mond des Saturn, 1861, 1905-1960, 1966-1980

Im April 1861 verkündete Hermann Goldschmidt die Entdeckung eines 9. Mondes des Saturn. Die Bahn des Mondes verlief zwischen den beiden Saturnmonden Titan und Hyperion. Er taufte diesen Mond auf den Namen Chiron (!). Die Entdeckung wurde jedoch nie bestätigt, da niemand sonst diesen Satelliten "Chiron" sah. Später, im Jahre 1898, entdeckte Pickering etwas, was man jetzt als den 9. Mond des Saturn einstuft: Phoebe. Dies war das erste Mal, daß man einen Satelliten eines anderen Planeten durch fotografische Aufnahmen und Beobachtungen entdeckte. Phoebe ist außerdem der äußerste Mond des Saturn.

1905 dachte Pickering, daß er einen 10. Mond entdeckt hat, den er Themis nannte. Laut Pickering umkreiste er Saturn zwischen Titan und Hyperion auf einer stark geneigten Bahn: die mittlere Distanz zum Saturn betrug 1.460.000 km, Umlaufzeit 20,85 Tage, Exzentrizität 0,23, Bahnneigung (Inklination) 39 Grad. Themis wurde nie wieder aufgefunden, erschien aber nichtsdestotrotz in Almanachs und Astronomiebüchern bis in die 50er und 60er Jahre.

1966 entdeckte A. Dollfus einen weiteren neuen Mond des Saturn. Er nannte ihn Janus. Die Bahn verlief nur knapp außerhalb der Saturnringe. Er war so klein und den Ringen so nahe, daß die einzige Chance war ihn zu sehen, wenn man die Saturnringe von der Kante her betrachten konnte, wie es im Jahre 1966 der Fall war. Jetzt war Janus Saturns zehnter Mond.

Als man im Jahre 1980 Saturns Ringe abermals von der Seite sah, entdeckte man während vieler aufregender Beobachtungen eine Reihe von neuen Satelliten, die ebenfalls recht nahe bei den Saturnringen waren. Ganz in der Nähe von Janus entdeckte man einen weiteren Satelliten, den man dann Epimetheus nannte. Ihre Bahnen liegen sehr nahe beieinander. Und das interessanteste an diesem Satellitenpaar ist, daß sie regelmäßig ihre Bahnen tauschen! Es stellte sich heraus, daß der im Jahre 1966 entdeckte "Janus" in Wirklichkeit die Beobachtung von beiden dieser Ko-Orbital-Satelliten war. Es stellte sich also heraus, daß der 1966 entdeckte 'zehnte Mond des Saturn' tatsächlich zwei verschiedene Monde waren! Die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 bestätigten dies, als sie vor einigen Jahren am Saturn vorbeiflogen.


Die sechs Monde des Uranus, 1787

1787 gab William Herschel die Entdeckung von sechs Satelliten des Uranus bekannt. Herschel unterlief hier ein Fehler: nur zwei seiner sechs Satelliten waren real (nämlich Titania und Oberon, die zwei größten und äußersten Satelliten). Bei den übrigen vier hatte es sich nur um Sterne gehandelt, die zufällig in der Umgebung des Uranus zu sehen waren (...das habe ich doch schon einmal gehört... :-)


Planet X, 1841-1992

1841 begann John Couch Adams mit der Untersuchung der bis dahin recht großen Fehler bei der Berechnung der Uranusbahn. 1845 fing auch Urbain Le Verrier an, sich mit diesem Problem zu beschäftigen. Adams präsentierte zwei verschiedene Lösungen des Problems. Er ging von der Annahme aus, daß die Störungen auf die Gravitation eines unbekannten Planeten zurückzuführen sind. Adams versuchte seine Lösungen dem Observatorium von Greenwich zu präsentieren. Da er aber noch jung und unbekannt war, nahm man ihn nicht ernst. Urbain Le Verrier präsentierte seine Lösung im Jahre 1846, aber Frankreich hatte nicht die nötigen Ressourcen, um den Planeten zu finden. Le Verrier wandte sich daraufhin an das Berliner Observatorium, von wo aus Galle und sein Assistent d'Arrest den Planeten Neptun am Abend des 23. September 1846 entdeckten. Heute teilen sich Adams und Le Verrier die Ehre, die Existenz und Position von Neptun vorhergesagt zu haben.

(Durch diesen Erfolg inspiriert, stürzte sich Le Verrier auf das Problem der Ungenauigkeiten bei der Berechnung der Merkurbahn. Er schlug die Existenz eines intra-merkuriellen Planeten namens Vulkan vor, der sich später als nicht existent erwies.)

Am 30. September 1846 erklärte Le Verrier nur eine Woche nach der Entdeckung des Neptun, daß es dort Draußen noch einen weiteren unbekannten Planeten geben könnte. Am 10. Oktober entdeckte man den größten Mond Neptuns: Triton. Er bot eine einfache Möglichkeit, die Masse Neptuns exakt abzuleiten. Es stellte sich heraus, daß sie 2% größer war, als man auf Basis der Störungen auf die Uranusbahn erwartet hatte. Es schien, als ob die Abweichungen der Uranusbahn in Wirklichkeit von zwei Planeten verursacht wurde. Zusätzlich stellte sich heraus, daß sich die wirkliche Neptunbahn deutlich von den von Adams und Le Verrier vorhergesagten Bahnen unterschied.

1850 beobachtete Ferguson die Bewegung des Kleinplaneten Hygeia. Zu den Lesern des Berichts von Ferguson zählte auch Hind, der die von Ferguson verwendeten Referenzsterne überprüfte. Hind konnte einen der Referenzsterne von Ferguson nicht finden. Maury am Naval Observatory konnte diesen Stern ebenfalls nicht finden. Für einige Jahre glaubte man, daß es sich hier um die Beobachtung eines weiteren Planeten handelte. 1879 tauchte dafür eine andere Erklärung auf: Ferguson soll demnach bei der Aufzeichnung seiner Beobachtungen ein Fehler unterlaufen sein. Als man diesen Fehler korrigierte, paßte ein anderer Stern sehr gut zu diesem 'fehlenden Referenzstern'.

Der erste ernsthafte Versuch, einen transneptunischen Planeten zu finden, wurde von David Todd im Jahre 1877 unternommen. Er verwendete eine "grafische Methode". Trotz der Ungereimtheiten bei den Störungen des Uranus, leitete er daraus Bahnelemente für einen transneptunischen Planeten ab: mittlere Entfernung 52 Astronomische Einheiten (1 AE = 149,6 Mio. km), Periode 375 Jahre, Helligkeitsklasse kleiner als 13. Die Länge wurde für die Epoche 1877,84 mit 170 Grad und einer Unsicherheit von 10 Grad angegeben. Die Inklination (Bahnneigung) betrug 1,40 Grad und die Länge des aufsteigenden Knoten 103 Grad.

1879 fügte Camille Flammarion einen weiteren Hinweis auf die Existenz eines Planeten jenseits von Neptun hinzu: die Aphelia von periodischen Kometen neigen dazu, sich um die Bahnen von Hauptplaneten zu bündeln. Jupiter hat die größte Ansammlung derartiger Kometen. Auch Saturn, Uranus und Neptun haben jeweils einige wenige. Flammarion fand zwei Kometen: 1862 III mit einer Periode von 120 Jahren und einer Aphelentfernung von 47,6 AE, sowie 1889 II, der mit einer Aphelentfernung von 49,8 AE eine etwas längere Periode hat. Flammarion vermutete, daß sich der hypothetische Planet wahrscheinlich in einer Entfernung von 45 AE befindet.

1880 veröffentlichte Forbes ein Memorandum über die Aphelia von Kometen und ihre Beziehung zu Planetenbahnen. Um 1900 waren fünf Kometen bekannt, deren Aphelia außerhalb Neptuns Bahn lagen. Forbes vermutete dann einen Transneptunier in einer Entfernung von ungefähr 100 AE und einen weiteren bei 300 AE, mit Perioden von 1000 und 5000 Jahren.

Im Laufe der nächsten fünf Jahre veröffentlichten mehrere Astronomen/Mathematiker ihre eigenen Ideen darüber, was man in den äußeren Regionen des Sonnensystems finden könnte. Gaillot am Pariser Observatorium vermutete zwei transneptunische Planeten bei 45 und 60 AE. Thomas Jefferson Jackson See sagte drei transneptunische Planeten voraus: "Oceanus" bei 41,25 AE und einer Periode von 272 Jahren, "Trans-Oceanus" bei 56 AE und einer Periode von 420 Jahren und schließlich noch einen in einer Entfernung von 72 AE und mit einer Periode von 610 Jahren. Dr. Theodor Grigull aus Münster, Deutschland, vermutete im Jahre 1902 einen Planeten von der Größe des Uranus bei 50 AE, der eine Periode von 360 Jahren haben sollte. Er nannte ihn "Hades". Grigull stützte seine Arbeit hauptsächlich auf Kometenbahnen, deren Aphelia jenseits der Neptunbahn lagen. Dies verknüpfte er mit einem Test, ob die Gravitationskraft eines solchen Körpers die beobachteten Störungen der Uranusbewegung verursachen könnte. 1921 korrigierte Grigull die Umlaufperiode von "Hades" auf 310-330 Jahre, damit sie besser zu den beobachteten Störungen paßte.

Im Jahre 1900 veröffentlichte Hans-Emil Lau aus Kopenhagen Bahnelemente von zwei transneptunischen Planeten bei Entfernung von 46,6 und 70,7 AE. Ihre Massen schätzte er auf das 9- bis 47,2-fache der Erdmasse. Die Helligkeitsklasse des näheren Planeten sollte um 10-11 liegen. Die Längen dieser hypothetischen Körper für die Epoche 1900 betrug 274 Grad und 343 Grad. Bei beiden räumte Lau eine sehr große Unsicherheit von je 180 Grad ein.

1901 leitete Gabriel Dallet einen hypothetischen Planeten bei 47 AE mit einem Helligkeitsfaktor von 9,5-10,5 und einer Länge von 358 Grad für 1900 her. In selben Jahr folgerte Theodor Grigull die Länge eines transneptunischen Planeten auf weniger als 6 Grad Entfernung von Dallets Planeten. Später verringerte er die Differenz auf 2,5 Grad. Man nahm an, daß sich dieser Planet in einer Entfernung von 50,6 AE bewegt.

Wie bereits gesagt, prophezeite Thomas Jefferson Jackson im Jahre 1904 drei transneptunische Planeten in Entfernungen von 42,25, 56 und 72 AE. Der innere Planet hatte eine Periode von 272,2 Jahren und eine Länge für das Jahr 1904 von 200 Grad. Ein russischer General namens Alexander Garnowsky schlug vier hypothetische Planeten vor, lieferte aber keinerlei Details über sie.

Die Vorhersagen für den Transneptun, die am sorgfältigsten ausgearbeitet waren, stammten beide aus Amerika: Pickerings "A search for a planet beyond Neptune" [Eine Suche nach einem Planeten jenseits Neptuns] (Annals Astron. Obs. Harvard Coll, vol LXI part II 1909) und Percival Lowells "Memoir on a trans-Neptunian planet" [Gedanken bezüglich eines transneptunischen Planeten] (Lynn, Mass 1915). Sie waren mit dem gleichen Thema beschäftigt, verwendeten aber verschiedene Ansätze und kamen schließlich zu verschiedenen Ergebnissen.

Pickering wendete eine grafische Analyse an und schlug einen "Planeten O" bei 51,9 AE mit einer Periode von 373,5 Jahren, einer zweifachen Erdmasse und der Helligkeitsklasse 11,5-14 vor. Pickering schlug während der folgenden 24 Jahre acht andere transneptunische Planeten vor. Pickerings Ergebnisse veranlaßten Gaillot dazu, die Entfernungen seiner beiden Transneptunier auf 44 und 66 AE zu revidieren. Er gab ihnen außerdem die 5- und die 24-fachen Erdmassen.

Alles in allem kündigte Pickering zwischen 1908 und 1932 sieben hypothetische Planeten an: O, P, Q, R, S, T und U. Seine letzten Bahnelemente für O und P definieren völlig andere Körper, als die ursprünglichen. Deshalb kann man die Gesamtzahl sogar auf neun setzen, was mit Sicherheit der Rekord für die Vorhersage von neuen Planeten ist. Die meisten von Pickerings Vorhersagen sind nur von vorübergehendem Interesse im Sinne von Kuriositäten. Im Jahre 1911 nahm Pickering an, daß Planet Q eine 20.000-fache Erdenmasse hat. er machte ihn somit 63 Mal schwerer als Jupiter oder über 1/6 so schwer, wie die Sonne, was Q nahe an die Grenze eines Ministerns brachte. Pickering sagte, daß Planet Q eine sehr elliptische Umlaufbahn hat.

Später zog nur noch Planet P seine besondere Aufmerksamkeit auf sich. 1928 reduzierte er die Distanz von P von 123 auf 67,7 AE und seine Periode von 1400 auf 556,6 Jahre. Er gab P die 20-fache Masse der Erde und die Helligkeitsklasse 11. Im Jahre 1931 veröffentlichte er nach der Entdeckung von Pluto einen weiteren elliptischen Orbit für P: Entfernung 75,5 AE, Periode 656 Jahre, 50-fache Masse der Erde, Exzentrizität 0,265, Inklination 37 Grad, was nahe an den Werten für die im Jahre 1911 veröffentlichte Umlaufbahn ist. Sein Planet S, den er 1928 ankündigte und für den er 1931 Bahnelemente angab, versetzte er in eine Entfernung von 48,3 AE (in die Nähe von Lowells Planeten X bei 47,5 AE), Period 336 Jahre, 5-fache Erdenmasse, Helligkeitsklasse 15. 1929 prophezeite Pickering den Planet U bei einer Entfernung von 5,79 AE, mit der Periode von 13,93 Jahren, knapp außerhalb der Jupiterbahn. Us Masse betrug 0,045 Erdenmassen, die Exzentrizität lag bei 0,26. Der letzte von Pickerings Planeten ist Planet T, den er im Jahre 1931 vorschlug: Entfernung 32,8 AE, Period 188 Jahre.

Pickerings verschiedene Bahnelemente für Planet O waren:

      Mittl. Entf.  Periode     Masse     Helligk.   Knoten Inkl. Länge
1908    51,9        373,5 J   2 Erden     11,5-13,4               105,13
1919    55,1        409   J               15         100    15
1928    35,23       209,2 J   0,5 Erden   12

Percival Lowell, der besonders als Befürworter von Marskanälen bekannt war, baute in Flagstaff, Arizona, ein privates Observatorium. Lowell nannte seinen hypothetischen Planeten: Lowells Planet X. Er führte mehrere Suchaktionen nach ihm durch, aber alle ohne Erfolg. Lowells erste suche nach Planet X endete im Jahre 1909. 1913 begann er aber eine zweite Suche, die auf einer neuen Vorhersage für Planet X basierte: Epoche 1.1.1850, mittlere Länge 11,67 Grad, Perihellänge 186 Grad, Exzentrizität 0,228, mittlere Entfernung 47,5 AE, Länge des aufsteigenden Knotens 110,99 Grad, Inklination 7,30 Grad, 1/21000 der Sonnenmasse. Lowell und andere suchten in den Jahren 1913-1915 leidenschaftlich nach diesem Planeten X. 1915 veröffentlichte Lowell seine theoretischen Ergebnisse bezüglich Planet X. Ironischerweise wurden vom Lowell Observatorium im selben Jahr 1915 zwei schwache Aufnahmen von Pluto gemacht, allerdings wurden sie bis nach der Entdeckung Plutos im Jahre 1930 nie als solche bemerkt. Lowells Mißerfolg, den Planeten X zu finden, war die größte Enttäuschung seines Lebens. Während den letzten beiden jahren seines Lebens verbrachte er nicht mehr viel Zeit mit der Suche nach Planet X. Lowell starb im Jahre 1916. Auf den annähernd 1000 Fotoplatten, die während der zweiten Suchaktionen aufgenommen wurden, waren 515 Asteroiden, 700 veränderliche Sterne und 2 Abbildungen von Pluto!

Die dritte Suche nach dem Planeten X begann im April 1927. In den Jahren 1927-1928 gab es keinen Fortschritt. Im Dezember 1929 heuerte man den jungen Farmerjungen und Amateurastronomen Clyde Tombaugh aus Kansas für die Suche an. Tombaugh begann mit seiner Arbeit im April 1929. Am 23. und 29. Januar nahm Tombaugh sein Fotoplattenpaar auf, auf denen er während ihrer genauen Untersuchung Pluto am 18. Februar entdeckte. Bis dahin hatte Tombaugh hunderte von Fotoplatten und Millionen von Sternen untersucht. Die Suche nach dem Planeten X hatte ihr Ende gefunden.

Oder vielleicht nicht? Der neue Planet, den man später Pluto nannte, erwies sich als enttäuschend klein. Vielleicht war er nur eine Erdenmasse groß, wahrscheinlich aber sogar nur ungefähr 1/10 der Erdenmasse oder kleiner. Im Jahre 1979, als man Plutos Satelliten Charon entdeckte, stellte sich die Masse des Pluto-Charon-Paares als nur ca. 1/1000 der Erdenmasse heraus! Planet X muß, wenn er die Störungen der Uranusbahn verursachen soll, viel größer sein! Tombaugh setzte seine Suche weitere 13 Jahre fort. Er erforschte den Himmel vom Himmelsnordpol bis 50 Grad südliche Deklination und herab bis zur 16.-17., manchmal sogar 18. Helligkeitsklasse. Tombaugh untersuchte stattliche 90 Millionen Fotografien von gut 30 Millionen Sternen auf einer Fläche von mehr als 30.000 Quadratgrad des Himmels. Er fand einen neuen Sternencluster, 5 neue offene Sternencluster, einen neuen Supercluster mit 1800 Galaxien und mehrere neue kleine Galaxiencluster, einen neuen Kometen, über 775 neue Asteroiden, aber außer Pluto keinen neuen Planeten. Tombaugh kam zu dem Schluß, daß es keinen unbekannten Planeten heller als die 16,5. Helligkeitsklasse gibt. Nur ein Planet in einer annähernd polaren Umlaufbahn und in der Nähe des südlichen Himmelspols wäre vielleicht seiner Suche entkommen. Er hätte einen Planeten der Größe Neptuns mit einer Entfernung Plutos oder einen Planeten in Größe Plutos und bis zu 60 AE weit entfernt finden können.

Die Namensgebung Plutos ist eine Extrageschichte. Die ersten Namensvorschläge für den neuen Planeten waren: Atlas, Zymal, Artemis, Perseus, Vulkan, Tantalus, Idana, Kronus. Die New York Times schlug Minerva vor, Reporter plädierten für Osiris, Bacchus, Apollo und Erebus. Lowells Witwe schlug Zeus vor, änderte ihre Meinung später aber auf Konstanze. Viele Leute waren dafür, daß man den Planeten nach Lowell benennt. Die Mannschaft des Flagstaff Observatoriums (von wo aus man Pluto entdeckt hatte) propagierte Kronus, Minerva und Pluto. Einige Monate später wurde der Planet offiziell auf den Namen Pluto getauft. der Name Pluto war ursprünglich von dem 11-jährigen Schulmädchen (aus Oxford, England) Venetia Burney vorgeschlagen.

Die allererste für Pluto berechnete Umlaufbahn schien eine Exzentrizität von 0,909 und eine Periode von 3000 Jahren zu haben! Dies lies einige Zweifel aufkommen, ob Pluto überhaupt ein Planet war. Ein paar Monate später erhielt man jedoch bedeutend bessere Bahnelemente für Pluto. Unten ist ein Vergleich der Bahnelemente von Lowells Planeten X, Pickerings Planeten O und Pluto zu sehen:

                          Lowells X    Pickerings O      Pluto

a (große Halbachse)           43,0          55,1          39,5
e (Exzentrizität)              0,202         0,31          0,248
i (Inklination)               10            15            17,1
N (Länge des aufst. Knotens)(k.A.)         100           109,4
W (Perihellänge)             204,9         280,1         223,4
T (Periheldatum)         Febr 1991       Jan 2129      Sept 1989
u (mittl. jährl. Beweg.)       1,2411        0,880         1,451
P (Periode/Jahren)           282           409,1         248
T (Periheldatum)            1991,2        2129,1        1989,8
E (Länge für 1930,0)         102,7         102,6         108,5
m (Masse, Erde=1)              6,6           2,0           0,002
M (Helligkeitsklasse)        12-13          15            15

Die Masse Plutos war sehr schwer zu ermitteln. Es waren alle möglichen Werte im Umlauf. Die Masse konnte erst festgesetzt werden, als James W. Christy im Juni 1978 Plutos Mond Charon entdeckte. Es stellte sich damals heraus, daß Pluto nur 20% der Masse unseres Mondes besitzt! Das machte Pluto hoffnungslos ungeeignet, um die meßbaren gravitationsbedingten Störungen auf Uranus und Neptun verursachen zu können. Pluto konnte nicht Lowells Planet X sein. Der Planet, den man gefunden hatte, war nicht der, den man gesucht hatte. Was zunächst wie ein weiterer Triumph der Himmelsmechanik aussah, stellte sich als Zufall heraus oder vielmehr als ein Resultat der Intelligenz und der Hartnäckigkeit von Clyde Tombaughs Suche.

Die Masse Plutos:

    Crommelin 1930:     0,11      (Erdenmassen)
    Nicholson 1931:     0,94
    Wylie, 1942:        0,91
    Brouwer, 1949:      0,8-0,9
    Kuiper, 1950:       0,10
    1965:              <0,14    (Bedeckung eines lichtschwachen Sternes durch Pluto)
    Seidelmann, 1968:   0,14
    Seidelmann, 1971:   0,11
    Cruikshank, 1976:   0,002
    Christy, 1978:      0,002   (Entdeckung von Charon)

Am 22. April 1930 berichtete R.M. Stewart aus Ottawa, Kanada, von einem vermuteten kurzlebigen Transneptunier: er ging auf Aufnahmen aus dem Jahre 1924 zurück. Crommelin berechnete eine Umlaufbahn (Distanz 39,82 AE, aufst. Knoten 280,49 Grad, Inklination 49,7 Grad!). Tombaugh suchte nach dem "Ottawa Objekt", ohne es zu finden. Mehrere andere Suchaktionen wurden unternommen, aber es wurde nie jemals etwas gefunden.

Mittlerweile fuhr Pickering damit fort, neue Planeten vorherzusagen (siehe oben). Auch andere sagten auf Basis theoretischer Überlegungen neuen Planeten voraus (Lowell hatte bereits einen zweiten Transneptunier bei ungefähr 75 AE vorhergesagt). Im Jahre1946 schlug Francis M. E. Sevin einen transplutonischen Planeten bei 78 AE vor. Zuerst leitete er ihn mittels einer kuriosen empirischen Methode ab, bei der er die Planeten und den eigenartigen Asteroiden Hidalgo in zwei Gruppen von inneren und äußeren Himmelskörpern unterteilte:

   Gruppe I:     Merkur    Venus   Erde      Mars   Asteroiden Jupiter
   Gruppe II:      ?       Pluto   Neptun   Uranus  Saturn     Hidalgo

Er zählte dann die Logarithmen der Umlaufzeiten jedes Planetenpaares zusammen und fand dabei eine einigermaßen konstante Summe von ungefähr 7,34. Von der Annahme ausgehend, daß diese Summe auch für Merkur und den Transplutonier Bedeutung hat, kam er für "Transpluto" schließlich auf eine Periode von ungefähr 677 Jahren. Später erarbeitete Sevin für diesen "Transpluto" einen kompletten Satz von Bahnelementen: große Halbachse 77,8 AE, Periode 685,8 Jahre, Exzentrizität 0,3, Masse 11,6 Erdenmassen. Seine Vorhersage stieß unter Astronomen nur auf wenig Interesse.

1950 verwendete K. Schütte aus München die Daten von acht periodischen Kometen, um daraus einen transplutonischen Planeten in 77 AE abzuleiten. Vier Jahre später dehnte und präzisierte H. H. Kitzinger aus Karlsruhe unter Verwendung der selben acht Kometen diese Arbeit. Er folgerte, daß sich dieser vermutete Planet bei 65 AE aufhält und er eine Periode von 523,5 Jahren, eine Bahnneigung von 56 Grad und eine geschätzte Helligkeit der Klasse 11 hat. Im Jahre1957 überarbeitete Kitzinger das Problem und landete schließlich bei neuen Elementen: große Halbachse 75,1 AE, Periode 650 Jahre, Inklination 40 Grad, Helligkeitsklasse um 10. Nach erfolglosen photografischen Suchaktionen, überarbeitete er das Problem im Jahre 1959 abermals. Dieses Mal kam er auf eine Distanz von 77 AE, eine Periode von 675,7 Jahren, eine Inklination von 38 Grad und eine Exzentrizität von 0,07. Dies war ein Planet, der dem "Transpluto" Sevins ähnelte und in mancher Hinsicht auch Pickerings letzten Planeten P ähnlich war. Trotzdem hat man bis jetzt keinen dieser Planeten gefunden.

Halleys Komet wurde ebenfalls als "Sonde" für einen transplutonischen Planeten verwendet. Im Jahre 1942 fand R. S. Richardson heraus, daß ein Planet in Größe der Erde bei 36,2 AE oder 1 AE hinter Halleys Aphel (Sonnenferne), Halleys Periheldurchgang in einer Weise verzögern würde, daß dies zu einer besseren Übereinstimmung mit den tatsächlichen Beobachtungen zu Halleys Bewegung führen würde. Ein Planet bei 35,3 AE mit 0,1 Erdenmassen hätte einen ähnlichen Effekt. Im Jahre1972 sagte Brady einen Planeten bei 59,9 AE mit einer Periode von 464 Jahren, einer Exzentrizität von 0,07, einer Inklination von 120 Grad (bzw. mit einer rückläufigen/gegenläufigen Bahnbewegung), einer Helligkeitsklasse von 13-14 und einer Größe voraus, die ungefähr der des Saturn entsprechen sollte. Solch ein transplutonischer Planet würde die bisher unerklärlichen Abweichungen der Bahn des Halleyschen Kometen bis zurück zum Periheldurchgang von 1456 deutlich reduzieren. Auch nach diesem gigantischen transplutonischen Planeten hatte man gesucht; gefunden hat man ihn aber ebenfalls nie.

Tom van Flandern untersuchte in den Siebziger Jahren die Positionen von Uranus und Neptun. Die berechnete Neptunbahn stimmte nur für ein paar Jahre mit den Beobachtungen überein, driftete aber danach deutlich auseinander. Die berechnete Uranusbahn passte zu den Beobachtungen für einen Umlauf, aber leider nicht für den vorherigen Umlauf. Im Jahre 1976 kam Tom van Flandern zu der Überzeugung, daß es dort einen 10. Planeten gibt. Als sich nach der Entdeckung Charons im Jahre 1978 herausstellte, daß die Masse Plutos viel kleiner als erwartet war, überzeugte van Flandern seinen USNO-Kollegen Robert S. Harrington von der Existenz eines 10. Planeten. Sie begannen bei der Erforschung des neptunischen Mondsystems zusammenzuarbeiten. Schon bald klafften ihre Ansichten auseinander. Van Flandern dachte, daß sich der zehnte Planet jenseits von Neptun gebildet hatte. Harrington glaubte hingegen, daß sich der zehnte Planet zwischen den Bahnen von Uranus und Neptun gebildet hatte. Van Flandern dachte, daß man noch mehr Daten benötigte, wie z. B. die von Voyager 2 gelieferte verbesserte Massenangabe für Neptun. Harrington begann mit einem Kraftakt mit der suche nach dem Planeten. Er fing 1979 an und 1987 hatte er noch immer keinen Planeten gefunden. Van Flandern und Harrington vermuteten, daß sich der zehnte Planet in der Nähe des Aphels auf einer stark geneigten Bahn befinden könnte. Van Flandern folgerte, daß falls der Planet dunkel ist, er bis zu Helligkeitsklassen 16-17 dunkel sein könnte.

1987 vermuteten Whitmire und Matese als Alternative zu ihrer "Nemesis"-Hypothese einen zehnten Planeten bei 80 AE mit einer Periode von 700 Jahren und einer Inklination von vielleicht 45 Grad. Eugene M. Shoemaker zufolge könnte so ein Planet allerdings niemals diese Meteorschauer verursacht haben, wovon aber Whitmire und Matese ausgegangen waren (siehe unten).

1987 untersuchte John Anderson von JPL die Bewegungen der Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11, um zu überprüfen, ob irgendwelche Ablenkungen aufgetreten sind, die auf unbekannte Gravitationskräfte schließen lassen könnten. Es wurden keine gefunden. Daraus schloß Anderson, daß höchstwahrscheinlich ein zehnter Planet existiert! JPL hatte in ihren Ephemeriden Beobachtungen zu Uranus, die vor 1910 gemacht wurden, nicht berücksichtigt, während Anderson auch zu den früheren Beobachtungen Übereinstimmung gehabt hatte. Anderson folgerte, daß der zehnte Planet eine stark geneigte Bahn haben muß, die ihn so weit von der Sonne und Erde wegführt, daß er derzeit unauffindbar ist. In periodischen Abständen soll er aber nahe genug kommen, um in den Bewegungend er äußeren Planeten seine störenden Spuren zu hinterlassen. Er vermutete eine Masse von fünf Erdenmassen, eine Umlaufzeit von 700-1000 Jahren und eine große Bahnneigung. Man würde seine Störungen der äußeren Planeten erst wieder im Jahre 2600 messen können. Anderson hatte gehofft, daß die beiden Voyager-Sonden helfen würden, diesen Planeten aufzuspüren.

Conley Powell von JPL analysierte ebenfalls die Planetenbewegungen. Er fand auch heraus, daß die Beobachtungen des Uranus nach 1910 plötzlich viel besser mit den Berechnungen übereinstimmten, als vor 1910. Powell vermutete einen Planeten mit 2,9-facher Erdmasse in 60,8 AE -Entfernung von der Sonne, einer Periode von 494 Jahren, einer Bahnneigung von 8,3 Grad und einer recht kleinen Exzentrizität. Powell war fasziniert davon, daß die Periode ungefähr zweimal so groß wie die des Plutos und dreimal so groß wie die Neptuns war. Das brachte ihn zu der Annahme, daß der Planet, den er in den Daten zu sehen glaubte, eine Umlaufbahn hatte, die trotz ihrer riesigen Entfernung durch eine gegenseitige Resonanz mit den umliegenden Nachbarn stabilisiert war. Die Lösung legte einen Planeten im (siderischen) Sternbild Zwillinge nahe. Außerdem vermutete er, daß der Planet heller als Pluto sein müßte, falls man ihn entdeckte. 1987 führte man im Lowell Observatorium eine Suche nach Powells Planeten durch: gefunden hat man aber nichts. Powell überarbeitete seine Lösung und korrigierte die Bahnelemente: 0,87-fache Erdenmasse, Entfernung 39,8 AE, Periode 251 Jahre, Exznetrizität 0,26 (eine plutoähnliche Umlaufbahn!) Powells neuer planet sollte sich gegenwärtig im siderischen Sternbild Löwen befinden und eine Helligkeit von 12 haben. Allerdings ist Powell der Meinung, daß es noch zu früh für eine Suche danach ist. Er müsse seine Daten noch weitergehend untersuchen. Hier die Bahnlagegrafik für Powells Transpluto.

Obwohl nie ein transplutonischer Planet gefunden wurde, konzentrierte sich das Interesse weiterhin auf die äußeren Bereiche des Sonnensystems. Der rätselhafte Asteroid Hidalgo, der sich auf einer Bahn zwischen Mars und Saturn bewegt, wurde bereits erwähnt. In den Jahren 1977-1984 führte Charles Kowal eine neue systematische Suche nach unentdeckten Himmelskörpern im Sonnensystem durch, indem er das 48-Inch Schmidt-Teleskop vom Palomar Observatorium verwendete. Im Oktober 1977 fand er den Asteroiden 1977 UB, später Chiron benannt, der sich in einer mittleren Entfernung von 13,7 AE befindet und eine Periode von 50,7 Jahren, eine Exzentrizität von 0,3786, eine Inklination von 6,923 Grad, sowie einen Durchmesser von ca. 180 km hat. Während seiner suche fand Kowal außerdem auch 5 Kometen und 15 Asteroiden, einschließlich Chiron, dem entferntesten Asteroiden, der damals bekannt war. Kowal fand auch 4 verlorene Kometen und einen verloren Asteroiden wieder. Kowal hatte keinen zehnten Planeten gefunden und folgerte daraus, daß es keinen unbekannten Planeten heller als die 20. Helligkeitsklasse innerhalb von 3 Grad der Ekliptik gibt.

Chiron wurde zuerst als "zehnter Planet" verkündet, wurde aber schon bald als Asteroid eingestuft. Kowal hatte aber vermutet, daß Chiron recht kometenähnlich sein könnte und tatsächlich stellte sich einige Jahre später heraus, daß Chiron einen Kometenschweif besitzt! Im Jahre 1995 Chiron wurde Chiron auch als Komet klassifiziert. Es ist sicher der größte bekannte Komet.

1992 wurde ein noch entfernterer Asteroid entdeckt: Pholus (ursprüngliche Bezeichnung: 1992 AD). Im August 1992 fand man außerhalb der Plutobahn einen Asteroiden, und die Entdeckungen gingen im Jahre 1993 und den darauffolgenden Jahren stetig weiter. Mittlerweile sind 67 transneptunische und transplutonische Kleinplaneten entdeckt worden, die man alle als Mitglieder des seit langem, vom niederländisch-amerikanischen Astronom Gerard Kuiper vorhergesagten transneptunischen Kleinplanetenring, dem sog. Kuipergürtel betrachtet. Wahrscheinlich handelt es sich hier um bei der Entstehung des Sonnensystems übrig gebliebene Restmaterie, sog. Planetesimale, und um plutoähliche Vorläufer von Asteroiden und Kometen.

Mittlerweile haben die Raumsonden Pioneer 10, 11 und Voyager 1 und 2 das äußere Sonnensystem durchquert. Man konnte sie auch als "Sonden" für die Suche nach unbekannten Gravitationskräften von evtl. unbekannten Planeten einsetzen. Nichts wurde gefunden. Die Voyager-Sonden ermittelten auch genauere Massen für die äußeren Planeten. Als man diese verbesserten Massen in die numerischen Integrationen des Sonnensystems einfügte, verschwanden schließlich die vorher beobachteten Abweichungen zwischen den berechneten und beobachteten Positionen der äußeren Planeten. Es scheint, als ob die Suche nach dem "Planeten X" schließlich ein Ende gefunden hat. Es gab keinen "Planeten X" (Pluto zählt nicht). Dafür hat man einen Kleinplanetengürtel außerhalb Neptun und Pluto gefunden! Folgende Kleinplaneten außerhalb der Jupiterbahn waren bis zum August 1993 bekannt:


Asteroid    a      e      Inkl.    Knoten   Perihelarg. MA   Periode Name
           a.u.           Grad      Grad    Grad      Grad  Jahre

 944     5.79853 .658236 42.5914  21.6567  56.8478  60.1911  14.0    Hidalgo
2060    13.74883 .384822  6.9275 209.3969 339.2884 342.1686  51.0    Chiron
5145    20.44311 .575008 24.6871 119.3877 354.9451   7.1792  92.4    Pholus
5335    11.89073 .866990 61.8583 314.1316 191.3015  23.3556  41.0    1991DA (später auf "Damocles" benannt)

1992QB1 43.82934 .087611  2.2128 359.4129  44.0135 324.1086  290     "Smiley"
1993FW  43.9311  .04066   7.745  187.914  359.501    0.4259  291     "Karla"

                  Epoche:  1993-08-01,0  TT

 

Anmerkung von Robert von Heeren: Eine aktuelle ausführliche Liste aller acht Kentauren finden Sie hier!

 

Im November 1994 waren diese transneptunischen Asteroiden bekannt:



Objekt     a     e     Inkl     R Mag   Durchm. Entd.    Entdecker
          a.u.          deg             km      Datum

1992 QB1  43.9  0.070   2.2     22.8    283     1992 Aug  Jewitt & Luu
1993 FW   43.9  0.047   7.7     22.8    286     1993 Mar  Jewitt & Luu
1993 RO   39.3  0.198   3.7     23.2    139     1993 Sep  Jewitt & Luu
1993 RP   39.3  0.114   2.6     24.5     96     1993 Sep  Jewitt & Luu
1993 SB   39.4  0.321   1.9     22.7    188     1993 Sep  Williams et al.
1993 SC   39.5  0.185   5.2     21.7    319     1993 Sep  Williams et al.
1994 ES2  45.3  0.012   1.0     24.3    159     1994 Mar  Jewitt & Luu
1994 EV3  43.1  0.043   1.6     23.3    267     1994 Mar  Jewitt & Luu
1994 GV9  42.2  0.000   0.1     23.1    264     1994 Apr  Jewitt & Luu
1994 JQ1  43.3  0.000   3.8     22.4    382     1994 May  Irwin et al.
1994 JR1  39.4  0.118   3.8     22.9    238     1994 May  Irwin et al.
1994 JS   39.4  0.081   14.6    22.4    263     1994 May  Luu & Jewitt 
1994 JV   39.5  0.125   16.5    22.4    254     1994 May  Jewitt & Luu 
1994 TB   31.7  0.000   10.2    21.5    258     1994 Oct  Jewitt & Chen
1994 TG   42.3  0.000   6.8     23.0    232     1994 Oct  Chen et al.
1994 TG2  41.5  0.000   3.9     24.0    141     1994 Oct  Hainaut 
1994 TH   40.9  0.000   16.1    23.0    217     1994 Oct  Jewitt et al.
1994 VK8  43.5  0.000   1.4     22.5    273     1994 Nov  Fitzwilliams et al.

Durchmesser in km (and is based on the magnitudes and a guess at albedo,
                   and is given to too many significant figures)
Anmerkung von Robert von Heeren: Eine vollständige Liste aller 67 TNOs finden Sie hier!

Die transneptunischen Himmelskörper scheinen zwei Gruppen zu bilden. Eine Gruppe setzt sich z. B. aus Pluto, 1993 SC, 1993 SB und 1993 RO zusammen und hat exzentrische Bahnen und eine 3:2 Resonanz mit Neptun. Die zweite Gruppe schließt z. B. 1992 QB1 und 1993 FW ein und befindet es sich etwas weiter außerhalb mit einer relativ kleinen Bahnexzentrizität.

Anmerkung des Übersetzers: Eine detailiertere Betrachtung der Entdeckungsgeschichte und der unterschiedlichen Gruppierungen im Kuipergürtel finden Sie auf der Astrologieseite unter der Rubrik "Schwerpunkt I: Neue Planeten".


Nemesis, der Begleitstern der Sonne, 1983-heute

Stellen Sie sich einmal vor, unsere Sonne wäre nicht allein und hätte einen Begleitstern. Stellen Sie sich vor, dieser Begleitstern bewegt sich auf einer elliptischen Bahn, so daß seine Distanz zur Sonne zwischen 90.000 AE (1,4 Lichtjahren) und 20.000 AE mit einer Periode von 30 Millionen Jahren variieren würde. Stellen Sie sich außerdem vor, dieser Stern wäre dunkel oder zumindest sehr lichtschwach, weshalb wir ihn bisher noch nicht bemerkt haben.

Das würde bedeuten, daß alle 30 Millionen Jahre dieser hypothetische Begleitstern der Sonne die Oortsche Wolke (eine hypothetische Wolke von Proto-Kometen mit einer großen Entfernung zur Sonne - ca. 15.000 AE) durchqueren würde. Während dieser Durchquerung würden die Proto-Kometen in der Oortschen Wolke umhergewirbelt. Einige zehntausend Jahre später würden wir hier auf der Erde einen dramatischen Anstieg der Anzahl an Kometen registrieren, die das innere Sonnensystem durchqueren. Wenn die Anzahl der Kometen dramatisch ansteigt, dann steigt für die Erde im selben Maße das Risiko, daß einer dieser Kometen mit ihr kollidiert.

Wenn man die geologische Geschichte der Erde untersucht, dann hat es den Anschein, als ob auf der Erde alle 30 Millionen Jahre ein massenhaftes Aussterben von Leben gegeben hat. Am bekanntesten davon ist das Aussterben der Dinosaurier vor ungefähr 75 Millionen Jahren. Dieser Hypothese zufolge ist es in circa 15 Millionen Jahren (von jetzt an) wieder Zeit für das nächste Massensterben.

Dieser hypothetische "Todesbegleiter" der Sonne wurde im Jahre 1985 von Daniel P. Whitmire und John J. Matese, Universität von Southern Lousiana, vermutet. Man hat ihm sogar einen Namen gegeben: Nemesis (Anmerkung des Übersetzers: griechische Göttin der Vergeltung für böse Taten und auch als Rächerin für herzlose Liebende. Tochter der Nyx = Nacht). Eine bedrückende Tatsache bei dieser Nemesis-Hypothese ist, daß es für irgendeinen Begleitstern der Sonne keinerlei Beweise gibt. Es muß kein sehr heller oder sehr großer Stern sein. Ein Stern, der viel kleiner und dunkler als die Sonne ist, während schon ausreichend. Sogar ein brauner oder schwarzer Zwerg (ein planetenähnlicher Himmelskörper mit zu wenig Masse, um wie ein Stern mit der Kernfusion von Wasserstoff zu Helium beginnen zu können). Es ist sogar möglich, daß dieser Stern in einem der Kataloge über dunkle Sterne bereits existiert, ohne daß jemals jemand etwas besonderes daran aufgefallen ist, wie vor allem die enorme scheinbare Bewegung des Sternes vor dem Hintergrund der entfernteren Sterne (seine sogenannte Parallaxe). Falls man ihn finden sollte, werden nur wenige daran zweifeln, daß er die primäre Ursache für die periodischen Massensterben auf der Erde ist.

Dies ist aber gleichzeitig auch ein Theorie voll von mythischer Kraft. Wenn ein Antropologe aus einer früheren Generation eine derartige Geschichte von seinen Informanten erfahren hätte, dann hätte die resultierende intellektuelle Debatte zweifellos Worte wie zum Beispiel 'primitiv' oder 'vorwissenschaftlich' benutzt. Man ziehe einmal folgende Geschichte in Betracht:

Da gibt es eine andere Sonne am Himmel, eine dämonische Sonne, die wir nicht sehen können. Vor langer Zeit, sogar vor Großmutters Zeit, wurde die Sonne nvon dieser dämonischen Sonne bekämpft. Kometen fielen und ein schrecklicher Winter übernahm die Erde. Fast alles Leben wurde zerstört. Die dämonische Sonne hatte schon früher oft zugeschlagen. Sie wird es wieder tun.

Aus diesem Grund dachten einige Wissenschaftler, diese Nemesis-Theorie sein ein Witz: ein unsichtbare Sonne, die die Erde mit Kometen angreift, klingt wie ein Märchen oder ein Mythos. Sie erhält außerdem noch aus einem anderen Grund einen skeptischen schlag: wir laufen immer wieder Gefahr, uns zu täuschen. Aber selbst wenn diese Theorie spekulativ ist: sie ist seriös und respektabel. Ihre Grundidee ist nämlich überprüfbar: man finde den Stern und erforsche seine Eigenschaften.

Da jedoch die bisherige Untersuchung des gesamten Himmels im extremen Infrarot von IRAS zu keiner Entdeckung von "Nemesis" führte, ist die Existenz von "Nemesis" nicht sonderlich wahrscheinlich.


Literaturhinweise/Quellen

Willy Ley: "Watcher's of the skies", The Viking Press NY,1963,1966,1969

William Graves Hoyt: "Planet X and Pluto", The University of Arizona Press 1980, ISBN 0-8165-0684-1, 0-8165-0664-7 pbk.

Carl Sagan, Ann Druyan: "Comet", Michael Joseph Ltd, 1985, ISBN 0-7181-2631-9

Mark Littman: "Planets Beyond - discovering the outer solar system", John Wiley 1988, ISBN 0-471-61128-X

Tom van Flandern: "Dark Matter, Missing Planets & New Comets. Paradoxes resolved, origins illuminated", North Atlantic Books 1993, ISBN 1-55643-155-4

Joseph Ashbrook: "The many moons of Dr Waltemath", Sky and Telescope, Vol 28, Oct 1964, p 218, also on page 97-99 of "The Astronomical Scrapbook" by Joseph Ashbrook, SKy Publ. Corp. 1984, ISBN 0-933346-24-7

Delphine Jay: "The Lilith Ephemeris", American Federation of Astrologers 1983, ISBN 0-86690-255-4

William R. Corliss: "Mysterious Universe: A handbook of astronomical anomalies", Sourcebook Project 1979, ISBN 0-915554-05-4, p 45-71 "The intramercurial planet", p 82-84 "Mercury's moon that wasn't", p 136-143 "Neith, the lost satellite of Venus", p 146-157 "Other moons of the Earth", p 423-427 "The Moons of Mars", p 464 "A ring around Jupiter?", p 500-526 "Enigmatic objects"

Text von Paul Schlyter, nach html konvertiert von Bill Arnett; letztes Update: 16.12.1995

Übersetzung und Upload mit Genehmigung des Autors Paul Schlyter: Robert von Heeren, München.