Tarot


Inhalt

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Vorwort

Einführung in das Rider-Tarot

Rider-Tarot und Kabbala

Literatur zum Rider-Tarot


Vorwort

Robert von Heeren
© by Meinen-Fotografie München 2004

 
Das Tarot (nicht Der) ist Vorläufer der heutigen deutschen/französischen/bayrischen Kartenspiele. Doch ist seine Grundbedeutung mehr als nur ein Kartenspiel: es diente seit Jeher den Zigeunern als Wahrsageinstrument (Kartenlegen, Divination), aber auch den esoterischen Orden als Einweihungs- und Initiationsinstrument, denn die Karten enthalten in symbolisch verschlüsselter Weise viele philosophisch-esoterische Lebensweisheiten.
Die Herkunft des Tarot ist nicht eindeutig geklärt. Früheste Tarot-ähnliche Kartenspiele (mit oft deutlich mehr Karten, als der heutige Tarot hat (78)) lassen sich bis ins Mittelalter (z. B. der Visconti-Tarot) zurückverfolgen. Zu sehen sind hier schon deutliche Ähnlichkeiten zu den späteren Motiven auf den Hauptarkana (sog. "Trümpfen") der späteren Tarot-Versionen, gleichzeitig gab es aber teilweise auch einfach allegorische Darstellungen der Tugenden, Musen, Temperamente, auch astrologischer Inhalte (Planetengötter) etc. Auch das sogenannte "Tarock"-Spiel stammt vom Tarot ab. Die Kartenanzahl schwankt in diesen frühen Darstellungen sehr. Allen Vor-Rider-Tarot-Versionen ist allerdings eines gemeinsam: die sogenannten 40 kleinen Arkana oder Zahlenkarten (vier Serien von As bis zur Zehn) hatten damals noch keine eigenen Inhalte. Auf ihnen waren ausschließlich nur die Anzahl der zum Element gehörigen Symbole angeordnet. Heute gibt es international in fast allen nur erdenklichen Stilrichtungen weit über 100 verschiedene Tarotversionen und -Kartenspiele, wovon aber das sogenannte Rider-Waite-Tarot, das von Arthur Edward Waite im Jahre 1909 in Großbritannien konzipiert und von der Malerin Pamela Smith ausgeführt wurde, am beliebtesten und am verbreitetsten ist. Dieses Tarot-Spiel spricht wahrscheinlich wegen seines einfachen Stils weltweit sehr viele Menschen an. Es verfügt über eine raffiniert kombinierte und tiefgründige Symbolik, ohne den Laien-Betrachter von Vorneherein mit überfrachtetem Symbolschwulst zu überfordern und mit aufwendiger Aufmachung vordergründig zu beeindrucken. Speziell mit dieser "klassischen" Version des Tarots habe ich mich seit 1983 intensiv autodidaktisch und auch in Lehrgängen beim Schweizer Esoterik- und Tarotspezialisten Hans-Dieter Leuenberger beschäftigt. X - Rad des Schicksals in der Darstellung des alten Visconti-Sforza-Tarots

Eine kleine Einführung in das Tarot von Arthur Edward Waite und Pamela Colman Smith

Das Rider-Waite-Tarot besteht aus insgesamt 78 Karten, die sich in drei Hauptgruppen gliedern:

  1. Den 22 großen Arkana oder Haupttrümpfen

  2. Den 16 Hofkarten als Teil der 56 kleinen Arkana oder Nebentrümpfen

  3. Den 40 Zahlenkarten als Teil der 56 kleinen Arkana oder Nebentrümpfen

Im Mittelpunkt stehen - sozusagen als "Hauptsäule" des Rider-Waite-Tarot - die 22 großen Arkana:

I - Der Magier (Magician), II - Die Hohepriesterin (High Priestess), III - Die Herrscherin (Empress), IV - Der Herrscher (Emperor), V - Der Hierophant (Hierophant), VI - Die Liebenden (Lovers), VII - Der (Streit-)Wagen (Chariot), VIII - Die Kraft (Strength), IX - Der Eremit (Hermit), X - Rad des Schicksals (Wheel of Fortune), XI - Die Gerechtigkeit (Justice), XII - Der hängende Mann (Hanged Man), XIII - Der Tod (Death), XIV - Die Mäßigung (Temperance), XV - Der Teufel (Devil), XVI - Der Turm (Tower), XVII - Der Stern (Star), XVIII - Der Mond (Moon), XIX - Die Sonne (Sun), XX - Das Gericht (Judgement), XXI - Die Welt (World), 0 - Der Narr (Fool).

Die Reihenfolge der großen Arkana ist trotz Numerierung nicht eindeutig. So wird vor allem über die Position des Narren spekuliert. Dies liegt daran, daß in der römischen Bezifferung der Karten kein Platz für die arabische Null ist. Waite plazierte ihn zwischen Gericht und Welt. Andere sehen den Narren als Bindeglied zwischen Welt und Magier, wenn man die Karten kreisförmig auslegt ist er dann das Bindeglied zwischen Anfang und Ende. In gewisser Weise faßt der Narr das Potential für alle 21 Stationen in sich zusammen. Schließlich symbolisieren die großen Arkana einen Lebenskreislauf, der im Prinzip aus archetypischen Lebensstationen und Reife-Etappen des menschlichen Lebens besteht und in 22 Urbildern verdeutlicht wird. In den großen Arkana tauchen bereits alle wesentlichen Symbole und Inhalte des gesamten Tarot auf, z. B. auch die Symbole für die vier Elemente: die keimenden Stäbe (Feuer), als Symbol für die unzähmbare Lebenskraft, der Kelch, als Symbol für das Element Wasser und die Empfänglichkeit der Gefühle und des Unbewußten, die zweischneidigen Schwerter als Symbol für das polare Denken, und die Pentakel oder Münzen, als Symbol für das Element Erde, das irdisch-materielle und das Geld. Hier ist bereits eine Hinzufügung Waites zu sehen: er ließ in die Münzen den Fünfstern (Pentakel) eingravieren, um auf die Durchgeistigung der Materie durch das fünfte Element (der Mensch) hinzuweisen. Ansonsten tauchen auch Symbole der Astrologie (Venus, Mond, Sonne) und der Kabbala (Tora, Lebensbaum) und andere auf. Die großen Arkana unterteilen sich nochmals in zwei Reihen aus je 10 Arkananen: von der I bis zur X und von der XI bis zur XX. Die zwei Karten 0 und XXI symbolisieren jeweils vollkommene Zustände. Die 22 großen Arkanen stehen außerdem in enger Verbindung mit den 22 Verbindungspfaden des kabbalistischen Lebensbaumes.

Große Arkana X: Rad des Schicksals (Rider-Waite)

Während sich die 22 großen Arkana auf den inneren, subjektiven Erfahrungs- und Entfaltungsweg des Menschen konzentrieren, stellen die 16 Hofkarten einerseits Persönlichkeitstypen und andererseits Wesensmanifestationen auf vier mal vier verschiedenen Ebenen des Lebens dar. Die 16 Hofkarten symbolisieren natürlich auch den mittelalterlichen Königshof. Sie bestehen aus je vier Königen, Königinnen, Rittern und Pagen/Buben. Es gibt also je einen Hof der Stäbe bzw. des Feuers, der Kelche und des Wassers, der Schwerter und der Luft, der Pentakel und der Erde. Diese vier Hofkartenserien stehen auch in engem Zusammenhang mit den vier kabbalistischen Welten: Atziluth (Feuerebene; Welt der Ideen und Archetypen - Ebene der Könige), Briah oder Beriah (Wasserebene; Welt der Schöpfung und der Beseelung - Ebene der Königinnen), Jetzirah (Luftebene; Welt der gedanklichen Umsetzung und Planung im Geiste - Ebene der Ritter) und Malkuth (Erdebene; Welt der Manifestationen und Materialisierung - Ebene der Pagen bzw. Buben). Außerdem können die 16 Hofkarten als individuelle 2er-Kombinationen der Elemente untereinander verstanden werden. Z. B. steht der König der Stäbe auch für doppeltes Feuer (Atziluth ist Feuerebene + Stäbe als Feuersymbol).

König der Stäbe
Die verbleibenden 40 Zahlenkarten können als eigenständiger Zyklus von je vier Serien von der Eins/Ass bis zur Zehn gesehen werden, oder auch als Fortsetzung bzw. Vorbereitung der je 4 Hofkarten. Das besondere an der Rider-Waite-Version der Zahlenkarten ist, daß Waite ihnen individuelle und sehr verschiedene "Gesichter" gegeben hat, anstatt auf ihnen nur die Anzahl von Symbolen abzubilden. Diese "Gesichter" sind hintergründige Situationsbeschreibungen, die das Tarot als Ganzes sehr bereichern und um eine dritte Dimension erweitern. Die Zahlenkarten entsprechen hier den objektiven Manifestationen von Lebensenergien in der Außenwelt. Aus diesen 40 Zahlenkarten und 16 Hofkarten entstanden übrigens später die uns geläufigen Spielkarten, wobei aus den großen Arkana nur der Narr als Joker übrig blieb. Der König blieb König, die Königin wurde zur Dame oder zum Ober, der Ritter fiel weg oder wurde im bayrischen Kartenspiel zum Unter, die Pagen fielen teilweise ebenfalls weg oder wurden zum Buben. Jede Zahlenkartenserie ist einem Element gewidmet: es gibt also je zehn Karten der Stäbe, der Kelche, der Schwerter und der Pentakel/Münzen. Waite sah in diesen Karten mehr als nur die zahlenmäßige Anordnung von Elementen. Er sah sie als Ausdrucksformen der zehn Energiesphären des kabbalistischen Lebensbaumes, wobei die Asse an oberster Stelle die höchste und immateriellste Ursprungsenergiesphäre "Kether" (Krone) des Lebensbaumes und die Zehner-Karten die unterste, materiellste Verwirklichungs-Ebene "Malkuth" (Das Weltreich, die Welt der vier Elemente) repräsentieren. Jede dieser vier Zehner-Serien veranschaulicht also den kompletten Lebensbaum in einer der vier Elemente-Ebenen - ein vierfaltiger Baum des Lebens. As der Münzen/Pentakel

Der Rider-Waite-Tarot und die Kabbala

Es wurde durch die vorhergehende Einführung deutlich, daß das Rider-Waite-Tarot stark auf dem Hintergrund der religiös-philosophischen Mystik der jüdisch-christlichen Kabbala ausgelegt und konizipiert wurde. Wer also tiefer in die Bedeutung der Rider-Karten einsteigen will, kommt an einem gründlichen Studium der Kabbala nicht vorbei. Da es mir hier aus Platzgründen leider nicht möglich, die Kabbala in ihrer Tiefe und Komplexität zu erklären, muß ich den interessierten Leser auf die Literaturliste verweisen. Allen voran halte ich die dreibändige "Schule des Tarot" von Hans-Dieter Leuenberger (Bauer-Verlag Freiburg) für eine brauchbare Einführung in das Rider-Tarot und die Kabbala bzw. den kabbalistischen Lebensbaum, wenngleich man - wie leider so oft in der Esoterik - auch hier nicht ganz von einseitigen Interpretationen der Karten verschont bleibt.

Eine Kurzbeschreibung des kabbalistischen Lebensbaumes:

Alles beginnt in der Krone des Baumes, 1 Kether. Diese Energiesphäre steht in Verbindung mit dem Ain Soph Aur, der Null, dem unendlichen Nichts, dem Chaos und grenzenlosen Licht, in dem die unsichtbare göttliche Welt der Ideen und Archetypen enthalten und Gott Zuhause ist. In Kether beginnt sich eine Idee punktförmig zu konzentrieren. Hier ist alles noch mit sich eins. Kether ist also ein Symbol für Einheit. Von hier geht der Schöpfungsimpuls (der Baum des Lebens steht für die zehn Stationen der göttlichen Schöpfung) weiter nach 2 Chockmah und der rechten, sogenannten männlichen Säule der Gnade. Der Punkt erweitert sich zur Linie, die zwei Enden hat, also der Ursprung der Dualität. Der "göttliche Blitz" setzt seinen Weg fort zu 3 Binah, der obersten Sephirah (Energiesphäre) der linken und sogenannten weiblichen Säule der Strenge. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: entweder der schöpferisch-männliche Impuls aus Chockmah (höchste Weisheit) wird von Binah (höchstes Verständnis) absorbiert (der tödliche Aspekt der weiblichen Empfängnis) oder er wird von Binah kreativ ausgeformt und an Chesed (Barmherzigkeit), der vierten Sephiroth, weitergegeben. Diese oberen drei Sephiroth sind für den Menschen nach kabbalistischem Wissen unerreichbar, sie stehen für die sogenannte göttliche Dreieinigkeit/Dreifaltigkeit (Kether = Vater, Chockmah = Sohn, Binah = Mutter). Gleichzeitig bilden sie die oberste Welt des Lebensbaumes: Atziluth. Der Rest des Lebensbaumes wird durch den Abgrund (Abysos) getrennt, der wie gesagt für Menschen nur durch göttliche Gnade überwunden werden kann. Nach kabbalistischer Tradition strebt der Mensch von Malkuth aus auf seinem Weg zu Gott zurück nach oben nach Kether. Von Chesed setzt sich der "göttliche Blitz" im Zickzack über 5 Geburah (Strenge), 6 Tiphareth (Schönheit), 7 Nezach (Sieg), 8 Hod (Ruhm), 9 Jesod (Fundament) nach 10 Malkuth (das Reich), das irdische Weltreich und der Aufenthaltsort des Menschen, fort. In Malkuth hat die göttliche Schöpfung ihre vollkommene Verwirklichung erreicht. Malkuth kann sich wieder in Kether und den Anfang eines neuen Lebensbaumes verwandeln.

Die drei verbleibenden kabbalistischen Welten:

B(e)riah besteht aus 4, 5 und 6. Jetzirah aus 7, 8 und 9 und Malkuth nur aus sich selbst, der 10.

(Die Abbildung rechts wurde dem 3. Band der "Schule des Tarot" von Hans-Dieter-Leuenberger entnommen.)

Der kabbalistische Baum des Lebens
Autor: Robert von Heeren

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